Bremerhaven. Es hätte die große Stunde der Wanderers werden sollen. Doch die leeren Blicke im Abschlusshuddle nach dem Finale des German Indoor Flagbowl 2012 am vergangenen Samstag sprachen eine andere Sprache. Interceptions, Drops und Blocking-Strafen gingen den einen durch den Kopf. Die anderen dachten daran, wie sie einige der tiefen Pässe für Touchdowns doch hätten verhindern oder den Quarterback entscheidend sacken können. All das änderte aber nichts an der Tatsache, dass die Wanderers ein weiteres Finale gegen die Lizzards aus Kelkheim nicht hatten für sich entscheiden können.

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Dabei hatte das Wochenende vielversprechend begonnen. Mit leichter Verspätung konnte der Teambus am frühen Freitagnachmittag in Richtung Nordseeküste starten und nach etwas Stau zu Beginn war der Rest der Reise entspannt. Am Abend konnte mit dem Comfort Hotel am Hafen eine gemütliche Unterkunft bezogen werden, sodass am nächsten Morgen alle Spieler frisch zum großen Turnier in der Walter Kolb Halle aufbrachen. Die kleine Halle hatte sich mit Deutschlandfahne und Seahawksflagge rausgeputzt und bot einen schönen Rahmen für das Event. Den Teams stand sogar eine noch etwas kleinere Aufwärmhalle zur Verfügung.

Pünktlich um 9:45 Uhr waren alle Teams in Reih und Glied aufgestellt, um in die Nationalhymne einzustimmen. Nach einer kurzen Ansprache durch den Ausrichter ging es ohne Verzögerung zur Sache. Kelkheim eröffnete das Turnier als Titelverteidiger gegen die Buccaneers aus Hamburg. Direkt im Anschluss waren die Wanderers gegen Recklinghausen das erste Mal gefordert. Komplett in Weiß mit leuchtend orangenen Nummern gekleidet legten die Südhessen gleich los wie die Feuerwehr. 33-6 für Walldorf zeigte die Anzeigetafel nach Ablauf von zwei Mal zwölf Minuten. Die Salty Dogs aus Niedersachsen waren der zweite Gegner in der Vorrunde. Bei dem 34-12 Sieg für Walldorf kam jedoch auch hier nur kurz Spannung auf, als die Niedersachsen zu Beginn in Führung gehen konnten.

Vor den Playoff- und Platzierungsspielen sorgten die Cheerleader der Bremerhaven Seahawks mit ihrer Showeinlage für ein Highlight des Turniers. Vor den Halbfinals taten ihnen es die Musiker der Seahawks Marching Band gleich und unterhielten die gut gefüllten Ränge der kleinen Sporthalle. Das erste Halbfinale brachte mit dem Weiterkommen der Lizzards ein erwartetes Ergebnis. Damit war klar, dass es die Walldorfer nun in der Hand hatten mit einem Sieg gegen die Bremerhavener Gastgeber das Traumfinale zustande zu bringen. Aber die Seahawks machten es mit präzisen tiefen Pässen spannend. Die Wanderers Offense hatte zu diesem Zeitpunkt aber immer die passende Antwort. Als dann auch die Defense in Schwung kam und den Bremerhavener Quarterback zu einem schlechten Pass zwang, der dann kurzerhand abgefangen und für sechs Punkte zurückgetragen wurde, war das Schicksal der Gastgeber besiegelt. Endstand 39-12 für Walldorf.

Dann war es soweit. Nach den German Flag Open 2010 und 2011 sowie dem German Indoor Flagbowl 2011 waren es einmal mehr die Kelkheim Lizzards und die Walldorf Wanderers, die sich in einem Finale um einen großen Titel gegenüberstanden. Und das sind nur die großen Spiele der letzten beiden Jahre. Die Geschichte dieser beiden Kontrahenten geht noch viel weiter in die deutschen Flagfootballgeschichte zurück. In dieses jüngste Kapitel des Kelkheim-Walldorf-Derbys gingen beide Teams nahezu in Bestbesetzung. Es sollte das beste Spiel des Tages werden.

Die Lizzards Offense war wie gewohnt schnell und tödlich präzise. Mit einer gekonnten Mischung aus kurzen und tiefen Pässen trieben sie die Walldorfer Defense vor sich her. Es ging soweit, dass die Wanderers sie nur mit einer Passinterference stoppen konnten, bevor sie im finalen Schlag des Eröffnungsdrives den ersten Touchdown auf das Board brachten. Die Walldorfer blieben jedoch, wissend, dass das Finale über zwei mal vierzehn Minuten geht, ruhig. Auch die Offense des orangenen Clubs ging abgeklärt zu Werke und brachte angeführt vom katapultgleichen Arm des Quarterbacks die Kelkheimer Eidechsen gleich mehrmals ins Schwitzen.

Mit auslaufender Uhr vor der Halbzeit bietet sich dann den Lizzards die Chance mit mehr als einem Score in Führung zu gehen. Ein Pass über die Mitte rast wie an der Schnur gezogen in Richtung der fangbereiten Hände und direkt in den Lauf des Kelkheimer Receivers an der Walldorfer Goalline. Doch kurz bevor der Ball sein Ziel erreicht sticht die Hand des Cornerbacks dazwischen und fälscht ihn unfangbar ab. Umfangbar bis zu den orangenen Handschuhen des dahinter wartenden Safeties, der das Geschenk dankend entgegennimmt und sich auf den Weg zur Kelkheimer Endzone macht. Gerade als er zum letzten Schritt über die Goalline ansetzt ertönt ein lautes Ploppen. Da hatte es der athletische Quarterback der Lizzards tatsächlich geschafft pfleilschnell in günstigem Winkel die Verfolgung aufzunehmen und sich mit einem fast todesmutigen Hechtsprung in Richtung Seitenaus und Tribünde die orangene Flagge noch zu schnappen.

Der Einsatz sollte sich lohnen. Im finalen Play der Halbzeit an der 1-Yard-Linie gelang es der Walldorfer Offense nicht den Touchdown zur Führung zu erzielen. Auch der Eröffnungsdrive der zweiten Halbzeit brachte keine Punkte. Zwar konnte die Defense der Wanderers die Kelkheimer noch ein paar mal aufhalten, doch ein tiefer Touchdown-Strike brachte die Lizzards uneinholbar in Führung und auf die Gewinnerstraße. Zwei Turnover der Wanderers Offense taten das Übrige.  So blieb für die Wanderers ein weiteres Mal nur das Hadern mit vertanen Chancen. Auch wenn der Vizemeistertitel ein hervorragendes Ergebnis ist, überwog am Ende doch das Gefühl mit der 18-29 Niederlage im Finale eine große Chance nicht genutzt zu haben.

Vom Spieler zum Coach

Getrübt wurde die Stimmung im Abschlusshuddle nicht nur durch die Niederlage. In einem emotionalen Moment für das gesamte Team beendete der langjährige Starter auf der Safety-Position, #28 Carsten Wolf (rechts im Bild), seine Laufbahn als Spieler. Sieben Jahre war er eine feste Größe in einer starken Wanderers Defense. Die nach eigenen Angaben erfolgreichste Zeit seiner sportlichen Karriere brachte ihm unter anderem den Gewinn des Deutschen Hallenmeistertitels 2009 und den Sieg beim Big Bowl im selben Jahr. Auch auf internationaler Ebene war Carsten in dieser Zeit mit der Deutschen Flagfootball Nationalmannschaft in verschiedenen Funktionen erfolgreich.

Das Ende seiner Spielerkarriere markiert aber zugleich den Beginn seiner Trainerlaufbahn in Walldorf. In den letzten Jahren war er als Captain der Defense maßgeblich an deren kontinuierlichen Verbesserung und Weiterentwicklung beteiligt. Nicht zuletzt seinen Fähigkeiten als Trainer ist es zu verdanken, dass eine starke Leistung in der Verteidigung, wie sie in Bremerhaven zu beobachten war, überhaupt möglich ist. Deshalb freuen sich die Walldorf Wanderers ihn auch weiterhin in ihren Reihen zu wissen und hoffen mit ihm in den kommenden Jahren noch viele weitere Titel gewinnen zu können.

Ab nach draußen

Mit der Deutschen Hallenmeisterschaft geht auch die Hallensaison 2011/12 zu Ende. Bereits am vergangenen Mittwoch begrüßte Coach Carsten die Spieler zum ersten Training auf grünem Rasen in 2012. Ab sofort wird wieder auf dem TGS-Sportplatz in der Okrifteler Straße 6 in 64546 Mörfelden-Walldorf trainiert und zwar immer montags und mittwochs jeweils von 19 bis 21 Uhr.

Neue Spieler sind jederzeit willkommen unverbindlich auf ein Probetraining vorbeizukommen!

 

 

 

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