Archive for März, 2012

Bremerhaven. Es hätte die große Stunde der Wanderers werden sollen. Doch die leeren Blicke im Abschlusshuddle nach dem Finale des German Indoor Flagbowl 2012 am vergangenen Samstag sprachen eine andere Sprache. Interceptions, Drops und Blocking-Strafen gingen den einen durch den Kopf. Die anderen dachten daran, wie sie einige der tiefen Pässe für Touchdowns doch hätten verhindern oder den Quarterback entscheidend sacken können. All das änderte aber nichts an der Tatsache, dass die Wanderers ein weiteres Finale gegen die Lizzards aus Kelkheim nicht hatten für sich entscheiden können.

[imagebrowser id=31]

Dabei hatte das Wochenende vielversprechend begonnen. Mit leichter Verspätung konnte der Teambus am frühen Freitagnachmittag in Richtung Nordseeküste starten und nach etwas Stau zu Beginn war der Rest der Reise entspannt. Am Abend konnte mit dem Comfort Hotel am Hafen eine gemütliche Unterkunft bezogen werden, sodass am nächsten Morgen alle Spieler frisch zum großen Turnier in der Walter Kolb Halle aufbrachen. Die kleine Halle hatte sich mit Deutschlandfahne und Seahawksflagge rausgeputzt und bot einen schönen Rahmen für das Event. Den Teams stand sogar eine noch etwas kleinere Aufwärmhalle zur Verfügung.

Pünktlich um 9:45 Uhr waren alle Teams in Reih und Glied aufgestellt, um in die Nationalhymne einzustimmen. Nach einer kurzen Ansprache durch den Ausrichter ging es ohne Verzögerung zur Sache. Kelkheim eröffnete das Turnier als Titelverteidiger gegen die Buccaneers aus Hamburg. Direkt im Anschluss waren die Wanderers gegen Recklinghausen das erste Mal gefordert. Komplett in Weiß mit leuchtend orangenen Nummern gekleidet legten die Südhessen gleich los wie die Feuerwehr. 33-6 für Walldorf zeigte die Anzeigetafel nach Ablauf von zwei Mal zwölf Minuten. Die Salty Dogs aus Niedersachsen waren der zweite Gegner in der Vorrunde. Bei dem 34-12 Sieg für Walldorf kam jedoch auch hier nur kurz Spannung auf, als die Niedersachsen zu Beginn in Führung gehen konnten.

Vor den Playoff- und Platzierungsspielen sorgten die Cheerleader der Bremerhaven Seahawks mit ihrer Showeinlage für ein Highlight des Turniers. Vor den Halbfinals taten ihnen es die Musiker der Seahawks Marching Band gleich und unterhielten die gut gefüllten Ränge der kleinen Sporthalle. Das erste Halbfinale brachte mit dem Weiterkommen der Lizzards ein erwartetes Ergebnis. Damit war klar, dass es die Walldorfer nun in der Hand hatten mit einem Sieg gegen die Bremerhavener Gastgeber das Traumfinale zustande zu bringen. Aber die Seahawks machten es mit präzisen tiefen Pässen spannend. Die Wanderers Offense hatte zu diesem Zeitpunkt aber immer die passende Antwort. Als dann auch die Defense in Schwung kam und den Bremerhavener Quarterback zu einem schlechten Pass zwang, der dann kurzerhand abgefangen und für sechs Punkte zurückgetragen wurde, war das Schicksal der Gastgeber besiegelt. Endstand 39-12 für Walldorf.

Dann war es soweit. Nach den German Flag Open 2010 und 2011 sowie dem German Indoor Flagbowl 2011 waren es einmal mehr die Kelkheim Lizzards und die Walldorf Wanderers, die sich in einem Finale um einen großen Titel gegenüberstanden. Und das sind nur die großen Spiele der letzten beiden Jahre. Die Geschichte dieser beiden Kontrahenten geht noch viel weiter in die deutschen Flagfootballgeschichte zurück. In dieses jüngste Kapitel des Kelkheim-Walldorf-Derbys gingen beide Teams nahezu in Bestbesetzung. Es sollte das beste Spiel des Tages werden.

Die Lizzards Offense war wie gewohnt schnell und tödlich präzise. Mit einer gekonnten Mischung aus kurzen und tiefen Pässen trieben sie die Walldorfer Defense vor sich her. Es ging soweit, dass die Wanderers sie nur mit einer Passinterference stoppen konnten, bevor sie im finalen Schlag des Eröffnungsdrives den ersten Touchdown auf das Board brachten. Die Walldorfer blieben jedoch, wissend, dass das Finale über zwei mal vierzehn Minuten geht, ruhig. Auch die Offense des orangenen Clubs ging abgeklärt zu Werke und brachte angeführt vom katapultgleichen Arm des Quarterbacks die Kelkheimer Eidechsen gleich mehrmals ins Schwitzen.

Mit auslaufender Uhr vor der Halbzeit bietet sich dann den Lizzards die Chance mit mehr als einem Score in Führung zu gehen. Ein Pass über die Mitte rast wie an der Schnur gezogen in Richtung der fangbereiten Hände und direkt in den Lauf des Kelkheimer Receivers an der Walldorfer Goalline. Doch kurz bevor der Ball sein Ziel erreicht sticht die Hand des Cornerbacks dazwischen und fälscht ihn unfangbar ab. Umfangbar bis zu den orangenen Handschuhen des dahinter wartenden Safeties, der das Geschenk dankend entgegennimmt und sich auf den Weg zur Kelkheimer Endzone macht. Gerade als er zum letzten Schritt über die Goalline ansetzt ertönt ein lautes Ploppen. Da hatte es der athletische Quarterback der Lizzards tatsächlich geschafft pfleilschnell in günstigem Winkel die Verfolgung aufzunehmen und sich mit einem fast todesmutigen Hechtsprung in Richtung Seitenaus und Tribünde die orangene Flagge noch zu schnappen.

Der Einsatz sollte sich lohnen. Im finalen Play der Halbzeit an der 1-Yard-Linie gelang es der Walldorfer Offense nicht den Touchdown zur Führung zu erzielen. Auch der Eröffnungsdrive der zweiten Halbzeit brachte keine Punkte. Zwar konnte die Defense der Wanderers die Kelkheimer noch ein paar mal aufhalten, doch ein tiefer Touchdown-Strike brachte die Lizzards uneinholbar in Führung und auf die Gewinnerstraße. Zwei Turnover der Wanderers Offense taten das Übrige.  So blieb für die Wanderers ein weiteres Mal nur das Hadern mit vertanen Chancen. Auch wenn der Vizemeistertitel ein hervorragendes Ergebnis ist, überwog am Ende doch das Gefühl mit der 18-29 Niederlage im Finale eine große Chance nicht genutzt zu haben.

Vom Spieler zum Coach

Getrübt wurde die Stimmung im Abschlusshuddle nicht nur durch die Niederlage. In einem emotionalen Moment für das gesamte Team beendete der langjährige Starter auf der Safety-Position, #28 Carsten Wolf (rechts im Bild), seine Laufbahn als Spieler. Sieben Jahre war er eine feste Größe in einer starken Wanderers Defense. Die nach eigenen Angaben erfolgreichste Zeit seiner sportlichen Karriere brachte ihm unter anderem den Gewinn des Deutschen Hallenmeistertitels 2009 und den Sieg beim Big Bowl im selben Jahr. Auch auf internationaler Ebene war Carsten in dieser Zeit mit der Deutschen Flagfootball Nationalmannschaft in verschiedenen Funktionen erfolgreich.

Das Ende seiner Spielerkarriere markiert aber zugleich den Beginn seiner Trainerlaufbahn in Walldorf. In den letzten Jahren war er als Captain der Defense maßgeblich an deren kontinuierlichen Verbesserung und Weiterentwicklung beteiligt. Nicht zuletzt seinen Fähigkeiten als Trainer ist es zu verdanken, dass eine starke Leistung in der Verteidigung, wie sie in Bremerhaven zu beobachten war, überhaupt möglich ist. Deshalb freuen sich die Walldorf Wanderers ihn auch weiterhin in ihren Reihen zu wissen und hoffen mit ihm in den kommenden Jahren noch viele weitere Titel gewinnen zu können.

Ab nach draußen

Mit der Deutschen Hallenmeisterschaft geht auch die Hallensaison 2011/12 zu Ende. Bereits am vergangenen Mittwoch begrüßte Coach Carsten die Spieler zum ersten Training auf grünem Rasen in 2012. Ab sofort wird wieder auf dem TGS-Sportplatz in der Okrifteler Straße 6 in 64546 Mörfelden-Walldorf trainiert und zwar immer montags und mittwochs jeweils von 19 bis 21 Uhr.

Neue Spieler sind jederzeit willkommen unverbindlich auf ein Probetraining vorbeizukommen!

 

 

 

In den letzten Wochen haben uns einige Informationen bezüglich internationaler Turniere erhalten bzw. haben diese im Netz gefunden und wollen euch diese nicht vorenthalten.

1. Champions Bowl 2012

Aktuelle Informationen zum Champions Bowl 2012 haben wir auf www.flagfootball.at gefunden. Dort heißt es:

Und die in Deutschland geplant gewesene Champions Bowl VI musste zunächst einige Monate verschoben und schlussendlich abgesagt werden. Allerdings sieht es nun doch so aus, als ob die 6. Auflage des Turniers der besten Teams Europas stattfinden könnte. Falls die Pläne fruchten wird wie bereits 2010 in Rom gespielt werden. Termin: Mitte Juni.

2. Rangerbowl VII

Am 07. April 2012 findet in Ägerital, Schweiz, die siebte Auflage des Rangerbowl statt. Aus Deutschland werden daran die Wiesbaden Phantoms Allstars teilnehmen. Falls ihr auch Interesse an dem Turnier haben solltet, dann schreibt den Rangers doch einfach eine Email, damit Sie euch in ihren Einladungsverteiler aufnehmen und ihr nächstes Jahr rechtzeitig informiert werdet. Dies könnt ihr hier. Wir wünschen den Phantoms Allstars viel Spaß und Erfolg in Ägerital.

3. Essone Flag Football 2012

Für ein französisches Turnier 30km südlich von Paris werden immer noch Anmeldungen entgegen genommen. Infos findet ihr hier.

 

 

 

Walldorf/Bremerhaven. Die Hallensaison erreicht mit dem German Indoor Flagbowl am kommenden Samstag, 25. März, ihr großes Finale. Fünf Teams machen sich auf den Weg an die Nordseeküste um den Hallenmeistertitel im Flagfootball 2012 auszufechten. Komplettiert wird das Teilnehmerfeld durch die Gastgeber, die Bremerhaven Seahawks. Um 9:45 Uhr wird in der Walter Kolb Halle die Nationalhymne erklingen bevor der Titelverteiger aus Kelkheim das Turnier gegen die Hamburg Flag Buccaneers eröffnet.

Die Wanderers reisen als amtierender Hessenmeister in den Norden. Sie werden in Gruppe B auf die Recklinghausen Juggers, welche Nordrhein-Westfalen vertreten und die Salty Dogs aus Niedersachsen treffen. Die Partie gegen Recklinghausen wird um 10:30 Uhr direkt nach dem Eröffnungsspiel ausgetragen. Das Match gegen die Salty Dogs startet um 11:30 Uhr. Die Halbfinals finden ab 14 Uhr statt gefolgt von den Platzierungsspielen ab 15 Uhr. Das Endspiel um die Hallenkrone des deutschen Flagfootball beginnt um 16 Uhr.

Bereits am Freitag wird das Team aus Walldorf anreisen, um am Turniertag gut ausgeruht und frisch zu Werke gehen zu können. Genächtigt wird im Comfort Hotel Bremerhaven mit Blick auf den Hafen.

Nürnberg. Verlängerung! 13 Stunden nach der Abfahrt in Walldorf haben sich die sieben mitgereisten Wanderers nicht nur ins Finale gekämpft, sondern stehen kurz davor einen der Favoriten auf den Turniersieg zu überflügeln. Die Halle ist so gut wie leer, da man bereits zwei Stunden hinter dem Zeitplan des fünften Peeweebowls in Nürnberg hängt und die meisten Teams bereits abgereist sind. Nur die alten Rivalen aus Kelkheim und Walldorf stehen sich nach zwei Mal 9 Minuten Spielzeit im Finale punktgleich gegenüber. Extra-Possessions müssen die Entscheidung bringen!

Aber der Reihe nach: Nach der Abfahrt in aller Frühe um 5:45 Uhr waren die Wanderers pünktlich für ihre erste Partie um 8:40 Uhr in der Metropole Mittelfrankens. Erster Gegner waren die Passau Red Wolves. Während des Warm-ups wurde jedoch schnell klar, dass es die Lizzards nicht rechtzeitig für ihr erstes Spiel um 8:20 Uhr in die Sporthalle der Geschwister-Scholl-Schule schaffen würden. Kurzfristig wurde das Match zwischen Passau und Walldorf nach vorn gezogen. Von dem früheren Start ins Turnier unbeeinflusst gingen die Wanderers schnell in Führung und hatten das Spiel auch nach den Passauer Anschlußpunkten im Griff. Zufrieden mit dem 20:6-Erfolg ging es wieder auf die Bank. Zu diesem Zeitpunkt hatten es dann auch die Kelkheimer in die Halle geschafft und das Turnier konnte fast planmäßig seinen Lauf nehmen. Lediglich ein Team musste kurzfristig absagen und wurde durch eine spontan zusammengestellte Auswahl ersetzt.

Das zweite Vorrundenspiel gegen die Wellucken Fukas entwickelte sich zum Thriller. Beide Teams konnten wiederholt punkten. Die Walldorfer Defensive sah dabei mehrmals gegen die clever kreuzenden Fukas nicht gut aus. Am Ende musste die erste Niederlage des Tages denkbar knapp mit 27:26 verbucht werden. Die Befürchtungen waren groß die Teilnahme an der Playoff-Runde bereits früh verspielt zu haben. Doch nach Niederlagen der anderen Teams in  Gruppe 2 reichte eine ausgeglichene Bilanz zum Weiterkommen. Einzig die Augsburg Raptors standen zwischen den Wanderers und den Playoffs. Nach über zwei Stunden Spielpause für die Walldorfer entwickelte sich im dritten und letzten Gruppenspiel ein enges Rennen um den Gruppensieg. Spät in der zweiten Halbzeit führten die Raptors 13:12. Ein Jubeln ging druch die Halle, denn eine Walldorfer Niederlage würde anderen Teams den Sprung in die Endrunde ermöglichen. Doch mit einem kontrollierten Drive brachten die Wanderers die entscheidenden sechs Punkte auf das Scoreboard. Mit dem 13:18-Sieg war die Playoffteilnahme besiegelt und das gesteckte Tagesziel erreicht.

Ein seltener Gegner wartete im Halbfinale. Die Silverhawks waren bereits am Freitag aus der slowenischen Hauptstadt Ljubljana angereist. In der Vorrunde waren sie stark aufgetreten und konnten die Lizzards überraschend schlagen. Die Wanderers konnten früh mit mehreren Scores in Führung gehen und zwangen die Silverhawks somit ihre gefährlichen Trickspielzüge aufzugeben. 21:6 lautete der Endstand. Auf der anderen Seite des Playoffbaums waren unterdessen die Lizzards nach besagter Niederlage in der Vorrunde wieder auf die Erfolgsspur zurückgekehrt und konnten ihrerseits ebenfalls ein Finalticket lösen.

Bis zum Finale sollten dann allerdings Stunden vergehen. Erst nach 18:30 Uhr konnte das Endspiel ausgetragen werden. Von Müdigkeit bei beiden Teams aber keine Spur! Schnell marschierten die Lizzards über das Feld und gingen in Führung. Die Antwort der Wanderers folgte prompt. Eine weitere Kelkheimer Führung zur Halbzeit währte ebenfalls nur kurz. Mit dem ersten Play nach der Halbzeit stellten die Wanderers den Ausgleich her. Ein letzter Versuch der Lizzards das Spiel in der regulären Spielzeit zu entscheiden scheiterte. Also Verlängerung! Auch hier schenkten sich die Kontrahenten nichts. Es ging hin und her. Doch dann die entscheidende Szene des Spiels: Nach einem Touchdown zum Ausgleich hatten die Lizzards die Möglichkeit mit dem folgenden Extrapunkt das Spiel zu entscheiden. Ein schneller Pass in die Endzone, der Ball wird in die Luft abgeleitet, taumelt in Richtung Boden. Dort liegt ein Kelkheimer Receiver und versucht die Finger noch irgendwie unter das Leder zu bekommen – was ihm gelingt! Spiel vorbei! Kelkheim gewinnt, wieder. Walldorf verliert, wieder. Zweiter Platz – wieder!

Die Silbermedaille in Nürnberg ist der vierte 2. Platz im siebten Turnier seit dem Gewinn des Heinerbowls in Darmstadt im vergangenen Sommer. Doch die Wanderers haben sich nichts vorzuwerfen. Mit nur sieben Spielern und der Finalteilnahme wurde das Tagesziel deutlich übertroffen. Mit weiteren drei Wochen Training und einem vollen Kader sollten die Wanderers in der Lage sein bei den Deutschen Meisterschaften in Bremerhaven am 24. März um den Titel mitzuspielen. Trotz der erneuten und ärgerlichen Niederlage gegen Kelkheim sind die Wanderers also weiter auf einem guten Weg.