Archive for August, 2016

Zwei Wochen, zwei Wanderpokale: Nach dem Sieg beim Knower Bowl in Kelkheim hängen die Wanderers einen weiteren dran und gewinnen Rhein-Main-Bowl XX in Wiesbaden. Damit verteidigen sie den Titel bei Deutschlands ältestem Flag-Football-Turnier zum zweiten Mal und haben ihn jetzt dreimal in Folge gewonnen. Mit Annika Lehmann, Justin Tron und Tim Hochstein standen auch wieder drei Neulinge im Kader, die sich achtbar geschlagen und ihren Teil zum Erfolg beigetragen haben. Besonders Justin Tron glänzte mit einigen sehenswerten Catches. Gemeinsam mit Florian Best bildet er ein vielversprechendes Nachwuchs-Duo auf der Receiver-Position. Ein besonderer Dank geht an Mike Dominik und sein Team der Wiesbaden Phantoms Allstars, die bei Rekordtemperaturen von 40 Grad nicht nur für einen reibungslosen Ablauf des Turniers, sondern mit Wassertonnen auch für Abkühlung der Teams sorgten. Mike Dominik: „Es war ein Heat Bowl!“

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Siegerehrung: Joe Palzer und Mike Dominik (links und rechts)
überreichen die Pokal an die Walldorfer 
Matthias Bieniek (Mitte links) und Justin Tron.

Just-in-Time-Lieferungen sind in der Automobilindustrie üblich. Die Teile kommen an der Fabrik an und werden sofort verbaut. Was passiert, wenn die Lieferungen der Zulieferer ausbleiben, war in der vergangenen Woche bei VW zu beobachten: Die Produktion kommt ins Stocken. So ist das oft auch im Flag-Football. Wenn nur noch wenig Zeit auf der Uhr ist und Punkte gebraucht werden, muss in der Offense alles passen damit die Touchdown-Produktion nicht ins Stocken kommt. In dieser Situation waren die Wanderers bein Rhein-Main-Bowl mehrmals. Glücklicherweise haben sie mit Quarterback Benjamin Klever einen der zuverlässigsten Ball-Zulieferer in ihren Reihen.

Der erste Just-in-Time-Auftrag erreichte Klever in der Zwischenrunde gegen Kelkheim: Mit etwa einer Minute zu spielen und ausgeglichenem Spielstand brauchten die Wanderers einen Scoring-Drive, um das Spiel mit dem Schlusspfiff zu gewinnen. Auftragsgemäß empfing Center Matthias Bieniek die Lieferung von Klever mit fünf Sekunden auf der Uhr in der Endzone. Der zweite Just-in-Time-Auftrag kam im Finale gegen die Lalo Greyhounds. Mit etwa 30 Sekunden vor der Halbzeit startete die Offense an der eigenen Fünf-Yard-Linie. Line-up. Snap. Klever trifft Fabian Achenbach kurz vor der Mittellinie. Line-up. Snap. Unvollständig. Eile, aber keine Panik. Line-up. Snap. Alle Receiver rennen tief in die Endzone. In der rechten Ecke schleicht sich der immer zuverlässige Marian Becker weg von seinem Verteidiger. Klever findet ihn mit einer präzisen Luftpost. Just in time. Coach Carsten: „Ich liebe gutes Clock-Management.“

Gerade noch rechtzeitig erreichte auch Safety Vasili Kartselos am Nachmittag das Team. Durch eine Verletzung von Chris Hippmann war der ohnehin schon dezimierte Kader der Walldorfer weiter geschrumpft. Mit der Verstärkung durch Kartselos konnte die Defense umstellen und Receiver Fabian Achenbach musste nicht länger beide Wege gehen, also Angriff und Verteidigung spielen. Vasili gab gleich im ersten Spiel seinen Einstand und fing einen Pass ab. Den lieferte er dann auch gleich selbst in der Endzone ab.

Das Finale gegen die Lalo Greyhounds hatte nach Klevers 30-Sekunden-Drive noch einen zweiten Teil. Bis in die zweite Hälfte war das Spiel noch eng. Doch dann entschieden die Wanderers die Partie vorzeitig mit einem 12-Punkte-Swing, als sie Punkte der Greyhounds durch eine Interception verhinderten und dann selbst einen Touchdown erzielten. So ein Swing kommt im Football schon öfter mal vor, ist aber ein besonderes Erlebnis, wenn man beide Wege spielt und das Glück hat an beiden Plays beteiligt sein zu dürfen:

Nachdem Chris verletzt ausgeschieden war, hatte der Autor dieses Berichts und Verteidiger, Jonathan Vorrath, die Ehre, seinen Platz in der Offense einzunehmen. Beide Wege zu spielen ist so schon immer ein intensives Erlebnis, bei dieser Hitze war es aber besonders spannend. Im Finale spielten wir zum zweiten Mal an diesem Tag gegen Lalo. Deren Offense hatte im ersten Spiel den Ball gut gegen uns bewegt. Das wollten wir diesmal natürlich ändern. In der ersten Halbzeit glückte es uns nicht und wir gaben einen Touchdown ab. Mein Match-up war oft Ufuk Yildirim. Der schnelle Receiver der Greyhounds ist eine der Haupt-Anspielstationen seines Quarterbacks. Im ersten Match hatte er mich auf einer Post-Route tief geschlagen, als ich einen falschen Schritt beim Cut gemacht hatte. Glücklicherweise ließ er den Ball aber fallen. Wenn der Corner einmal fällt, versucht man es später natürlich gerne nochmal. Im selben Spiel kam tatsächlich nochmal der Post, diesmal war ich besser dran und der Pass war abermals unvollständig. Jetzt zum Finale: Während der gesamten ersten Hälfte war Ufuk keinen Post gelaufen. Ich war mir aber sicher, dass die Greyhounds meinen falschen Schritt aus Spiel 1 nicht vergessen hatten und es auch noch ein drittes Mal versuchen würden. In der zweiten Halbzeit war es dann soweit: Ufuk rennt los und macht nach 5 Yards seinen harten Post-Cut. In freudiger Erwartung habe ich mich bereits nach links gedreht und kann deshalb sofort in die Mitte des Feldes sprinten. Der Quarterback legt den Ball hoch in Ufuks eigentlichen Laufweg, wo jetzt ich renne. Der Ball ist lange in der Luft und ich habe lange Zeit darüber nachzudenken, wie ich ihn am besten fange. Nachdem ich an dem Tag bereits zwei Interceptions habe fallen lassen, ist nur ein Gedanke in meinem Kopf: „Verkack das jetzt nicht!“ Glücklichweise lassen mich mein Hände aber nicht im Stich und es gelingt mir den Ball zu fangen. Der anschließende Return ist wenig inspiriert und endet kurz vor der Mittellinie. Manchmal hätte ich gerne die flinken Beine von Chris (Hippmann, Receiver #6).

Dann hatte ich nur kurz Zeit den Ball an der Sideline der Greyhounds abzugeben. Die Offense wartete bereits im Huddle. Kaum war ich da, kam schon der Playcall von Benny. Für mich gab’s eine tiefe Route in die Endzone. Wahrscheinlich, um die Verteidigung auseinander zu ziehen und so die kürzeren Routen frei zu spielen. Dann ging es schnell: Set. Hut. Snap. Vollgas. Warum dreht sich der Safety denn nicht mit??? Moment mal: Da geht was!! Ich schau zurück, sehe Benny mit dem Blitzer tanzen. Ich rufe seinen Namen und winke dabei freundlich. Tatsächlich sieht er mich und hievt den Ball über das halbe Feld in meine Richtung. Oh oh, wer die Klappe aufreißt, macht dann besser auch den Catch. Bennys Pässe fliegen so hoch, dass Schnee drauf ist, wenn sie wieder runter kommen. Das ist einerseits gut für die Reichweite, gibt einem aber auch viel Zeit über den Catch nachzudenken. Und da ist wieder der Gedanke von eben: „Verkack das jetzt nicht!“ Dann fällt der Ball, der Safety fliegt nochmal durch mein Bild und dann hab ich das Leder im Arm. Die Freude ist groß.

Auch Knower Bowl IV geht an die Walldorf Wanderers. Seitdem das Turnier auf der neuen Kelkheimer Anlage ausgetragen wird, haben die Wanderers den Pokal immer mit nach Hause genommen. Am Sonntag setzte es allerdings die erste Niederlage auf dem Lizzards Feld. Gegen die Mainz Warriors kam die Offense nicht in die Gänge und das Match ging 6-0 verloren. Die Punkteflaute glichen die Wanderers im Rest des Turniers aber mehr als aus und erzielten über die restlichen vier Partien 197 Punkte. Entdeckung des Turniers war aus Walldorfer Sicht Safety Tim Hochstein, der sieben Interceptions fing und vier davon in die Endzone trug. Hoffentlich wird er bei Rhein-Main-Bowl XX in Wiesbaden am kommenden Samstag an diese sensationelle Leistung anknüpfen.

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Bei der Siegerehrung: von links Thorsten Grom, 
David Knower und Benjamin Klever.

Hilflos saß New England Patriots Quarterback Tom Brady im Jahr 2002 vor einem Playoffspiel gegen die Oakland Raiders in seinem Auto. Um ihn herum Stau  wegen Schneesturm und nur noch eine Stunde bis Kick-off. Damals rettete ihn eine Polizei-Eskorte aus der Situation, Brady kam gerade noch rechtzeitig zum Kick-off und die Patriots gewannen das Spiel. Den Luxus einer Polizei-Eskorte hatte Wanderers Quarterback Benjamin Klever am Wochenende nicht. Zum Glück gab es auf dem Weg vom Flughafen Hahn nach Kelkheim aber auch keinen Stau. In voller Montur sprang er wenige Minuten vor Start des zweiten Spiel des Tages aus dem Auto und eilte aufs Feld. Ohne Warm-up führte er sein Team gegen die Kelkheim Lizzards gleich im ersten Drive zum ersten Walldorfer Touchdown des Turniers. Klever: „Ich hab mich dann aber vor dem zweiten Drive ein bisschen eingeworfen.“

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Nach einer engen ersten Halbzeit gewannen die Wanderers das Spiel gegen die Lizzards. Wie aus dem Nichts entstand dabei die entscheidende Szene, mit der sich die Wanderers entscheidend absetzten. Wenn Lizzards Quarterback Andreas Hufer seinen Receiver Stefan Buch auf einer 10-Yard-Out-Route oder einem Hook anspielt, ist der Pass nur selten zu verteidigen. Zu routiniert und präzise sind die Bewegungsabläufe der beiden. Umso überraschter schauten die Wanderers, als ihr neuer Safety Tim Hochstein (Foto rechts) volles Risiko ging und bei einem solchen Pass vor den Receiver hechtete. Nicht nur das, er fing den Ball sogar ab und gab ihn erst in der Kelkheimer Endzone wieder aus der Hand. In den weiteren Partien wiederholte er das Kunststück mehrfach. Ein Wiesbadener meinte am Ende nur: „Wo habt ihr den Herkules denn her?“

Im Finale gelang dann auch die Revanche gegen Mainz. Nach einem erneut schwachen Start mit mehreren Interceptions der Wanderers Offense, drehte das komplette Team noch einmal auf und ließ beim 47-6-Erfolg nichts anbrennen. Der Pokal fuhr am Ende natürlich mit Tim Herkules nach Hause.

Die Walldorf Wanderers haben ihren zweiten Spieltag in der DFFL gewonnen. Mit dem Sieg in Kelkheim machten sie einen großen Schritt in Richtung Finalspieltag, der Ende September in Walldorf stattfindet. Gleichzeitig war dieser DFFL-Spieltag etwas Besonderes für das Walldorfer Team. Seit der Eröffnung der exzellenten Kelkheimer Kunstrasenanlage vor drei Jahren haben sie dort noch kein Spiel verloren. Diese Serie riss auch am Samstag nicht. Alle vier Partien konnten die Wanderers für sich entscheiden. Darunter ein hochklassiges Finale gegen die Kelkheim Lizzards, das bis in die zweite Halbzeit eng war. Bereits in zwei Wochen wird man sich in Kelkheim wiedersehen. Dann steht Knower Bowl V auf dem Plan.

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„Das war das schlechteste Spiel, das ich von uns seit sehr langer Zeit gesehen habe.“ Die deutlichen Worte von Coach Carsten fassen den Einstieg der Wanderers in diesen Spieltag gut zusammen. Gegen die Purple Flags aus Frankfurt lief für die Wanderers zu Beginn nicht viel zusammen. Erst in der zweiten Hälfte konnte sie den knappen 6-Punkte-Sieg in trockene Tücher bringen. Holprig ging es danach weiter gegen das Team aus Würzburg. In einem physischen Spiel machten die Walldorfer aber den Gruppensieg und den Einzug ins Halbfinale klar.

Dann war mal wieder Zeit für die Walldorfer Touchdown Twins: Im Halbfinale, abermals gegen Würzburg, legte Chris Hippmann mit einem Playstation-Catch vor. Auf einer tiefen Route entlang der Seitenlinie war er zu keinem Zeitpunkt frei. In guter Walldorfer Tradition warf Quarterback Benjamin Klever den Ball trotzdem im hohen Bogen auf seinen Receiver. Dass der Verteidiger größer ist, fällt dann nicht weiter auf, wenn Hippmann wie ein Flummi in die Höhe springt und das Ei über den ausgestreckten Armen des Gegenspielers aus dem Himmel pflückt. Um im Vergleich nicht den Kürzeren zu ziehen gönnte sich Fabian Achenbach dann wenige Sekunden vor der Halbzeit noch einen Highlight-Catch der Marke „Impossible“. Kurze Vorgeschichte: Die Würzburger hatten gerade versucht, mit der auslaufenden Uhr selbst einen langen Touchdown zu erzielen. Die Wanderers Defense fing den Ball  jedoch ab und gab das Ei mit drei Sekunden auf der Uhr zurück an die eigene Offense.

Von der Mittellinie  startete das „Play of the day“: Auf den Snap zu Quarterback Klever folgte der Rückwärtspass auf Hippmann, um Zeit zu gewinnen. Dann ein weiterer Rückwärtspass über den Kopf des Blitzers zurück auf Klever, der das Ding wie ein Katapult in Richtung Endzone hievte. Dort hatte es sich mittlerweile Achenbach zwischen zwei Verteidigern gemütlich gemacht, die auch sofort nach dem Ball hechteten. Fabi blieb entspannt und sprang einige Augenblicke später ab, um den Ball am höchstmöglichen Punkt vor den Händen der Verteidiger weg zu klauen. Der Catch wäre wirklich außergewöhnlich, wenn Achenbach solche Dinger nicht bereits bei Rhein Main Bowl 18, Pink Bowl I als Edel-Bohne und anderen Gelegenheiten hätte einfach aussehen lassen. Fabi-Routine also.